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Schatz, ich hab gebucht! Konfliktklärung & Skiurlaub

Die Familie will in den Skiurlaub fahren. Die Organisation war klassisch die Aufgabe von Matthias. Skigebiet suchen, Schneesicherheit, Familientauglichkeit, Größe der Unterkunft, Preis, Fahrtweg, all diese Dinge. Das bedeutet: ein paar Abende im Internet Angebote suchen, Preise vergleichen, Pakete schnüren.

Dies ist nicht seine Lieblingsaufgabe. Gerne verliert er sich in den Weiten des Internet, surft von einer Seite zur nächsten um den Vorstellungen und Erwartungen der Familie zu genügen. Sich in den vielen Seiten zurecht zu finden fällt ihm gar nicht leicht. Nach ein paar Abenden aber hatte er einen passenden Vorschlag.

Er bereitete die Entscheidung vor, bat seine Frau Verena nach dem Abendessen zu einem Gespräch, zeigte ihr die Bilder der Unterkunft, die Pistenkarte vom Skigebiet, listete die Vor- und Nachteile aus seiner Sicht auf, rechnete Skipass und Unterkunft, Fahrbenzin und Vignette zusammen, und schloss auf der Internetseite auf der man nur noch buchen müsste. Die Kreditkarte war schon hinterlegt. Mit erwartungsvollen Augen sah er Verena an.

Sie sah sich die Unterkunft an, zögerte nur kurz und erzählte dann von der Nachbarin die im Ötztal war, von der Arbeitskollegin die auf einer abgelegenen Hütte war, von der Yogakollegin die es in der Schweiz super fand und von der Schwester die mit ihrer Familie diesmal nach Frankreich zum Skifahren sind. Und eigentlich wäre eine abgelegene Hütte doch viel romantischer als eine Ferienwohnung. Und direkt am Skilift, also das sollte schon sein. Kann man in Italien nicht auch Skifahren?

Matthias war enttäuscht, nein, wütend. Dann fahr doch alleine in den Skiurlaub! Such Dir doch selbst was aus!

Verena verstand nicht was passierte. Hatte sie doch nur ihre Ideen einbringen wollen! Sind ihre Träume und Wünsche nicht wichtig?

Was ist passiert ?

Ich frage in solch einem Konflikt gerne beide Beteiligten ob sie ihre Ziele „anvisieren“ oder „einkreisen“.

Ziele anvisieren

Wer Ziele anvisiert erledigt eine Aufgabe auf ein Ziel hin. Urlaub buchen, Ziel suchen, optimieren, herausfinden, Entscheidungsvorlage entwerfen, unterschreiben fertig. Ziel erreicht.

Matthias ging auf diese Weise vor. Er wollte seine Aufgabe gut erledigen, hat Zeit und Energie investiert, das Ziel anvisiert und am Ende sein Ergebnis präsentiert. Vielleicht hat er ein Lob erwartet, ein Danke, ein „gut gemacht“. Einfach eine positive Rückmeldung für seine Arbeit. Die hat er nicht erhalten. Das machte ihn wütend und enttäuscht.

Ziele einkreisen

Verena kreist Ziele ein. Sie mag es Themen zu kneten. Eine Aufgabe stellt für sie vielmehr eine soziale Interaktion dar, eine Möglichkeit sich gemeinsam mit einem Thema zu befassen. Wo und wohin sie in Urlaub fahren ist ihr vielleicht sogar egal.

Wichtig ist für sie, dass sie gemeinsam mit Matthias (und eventuell den Kindern) überlegt was wem gefällt. Was ist den Familienmitgliedern wichtig, wovon träumen sie, was sind ihre Bedürfnisse. Sie „kreist“ gern um ein Thema, und das Ziel ist nicht die Buchung des Urlaubs. Das Ziel ist gemeinsam auf dem Weg zu sein. Ihre Ideen, ihre Impulse wurden nicht gehört, und auch nicht wertgeschätzt. Daher ist sie am Ende enttäuscht.

Wie können Verena und Matthias diese Situation klären?

Für beide ist wichtig zu verstehen was sie selbst brauchen. Für Matthias ist vielleicht wichtig zu sagen: „Ich habe Zeit und Energie investiert und bin auch froh ein Ziel gefunden zu haben, das passen könnte. Aus meiner Sicht ist mir das gut gelungen und ich möchte dafür gelobt werden“.

Für Verena wäre eine Lösung ihr Kreisen in den Prozess einzubinden. „Bevor Du etwas im Internet suchst, erzähl mir doch mal was Du Dir eigentlich wünschst? Was ist für Dich wichtig im Skirulaub? was brauchen die Kinder? Ich möchte mich hierüber mit Dir austauschen“ und folgend: „Ich träume davon mal in einer Hütte zu übernachten…“

Die Zielsetzung den Skiurlaub zu planen nehmen diese beiden ganz unterschiedlich auf. Dies gelingt wenn beide über ihre Eigenarten sprechen, und mit Humor ihre Unterschiedlichkeit annehmen können. Beide können Ihre Stärken miteinander verbinden, dann wird die Urlaubsplanung zu einem spannenden Austausch über die hinter dem Urlaub stehenden Bedürfnisse der beiden. Und das wiederum intensiviert ihre Beziehung.

Was brauche ich wirklich

Das ist die immer wieder kehrende Frage in Beziehungen: Was tut mir gut? Was bin ich bereit einzubringen? Eine Beziehung lebt viel mehr von der Frage „was brauche ich“. Erst danach kommt die Frage “ Was brauchst Du?“.

Ein „was brauche ich“ hat dabei zwei anspruchsvolle Hürden:

Die erste ist überhaupt zu wissen was ich will. „Ich will geliebt werden“ oder „ich will respektiert werden“ geht nicht tief genug. Wie spürst Du dass Du geliebt wirst? Wann erlebst Du wenn Du respektiert wirst? Fragen die für das langfristige Zusammenleben wichtig sind. Die aber gleichwohl im Alltag nicht oft nicht besprochen werden.

Die zweite Hürde ist in einem Konfliktfall, wenn der oder die andere gerade wieder unausstehlich, übergriffig, unfair, gemein oder ähnliches war, über eigene Bedürfnisse zu sprechen. In Konfliktsituationen ist es eher so, dass die Worte „ich sehne mich nach“ oder „ich brauche dringend“ nicht mehr ausgesprochen werden können.

Wenn die Worte fehlen, wenn die Kommunikation stockt, sei es weil die Bedürfnisse nicht bekannt sind, oder nicht mehr ausgesprochen werden können hilft ein Konfliktmoderator. Der kann die Sprache zurück bringen, und die fehlenden Worte vorschlagen. Er sorgt dafür dass die emotional aufgeladene Sprache wieder zu achtsamer Ausdrucksweise zurück findet, und die zugrunde liegenden Bedürfnisse ausgesprochen werden können. Damit bringt er die Kommunikation innerhalb der Beziehung wieder ins fließen und die Konfliktlösung innerhalb der Beziehung wieder zum greifen.

Ihr habt Lust an Eurer Kommunikation zu arbeiten? Wie ich Euch dabei helfen kann liest Du hier.

Gute Beziehung,

Andreas

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